Berichte aus dem Schuljahr 2018/19

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Bärenstarker Auftritt mit Herz, Hand und Verstand

12 Fragen an LFS-Schulleiter Peter Bärens anlässlich seiner Verabschiedung in den Ruhestand


Können Sie sich an Ihren ersten Arbeitstag an der Liebfrauenschule in Ratingen erinnern? Welche Eindrücke von damals haben sich in Ihrer Erinnerung für immer eingebrannt?


Mein erster Arbeitstag an der Liebfrauenschule war im September 1996. Aus dienstlichen Gründen konnte ich erst sechs Wochen nach Schuljahresbeginn meinen Dienst aufnehmen. Der verspätete Einstieg in das Schuljahr war für mich natürlich nicht leicht. Ich wurde schon erwartet und freundlich begrüßt. Im Gebäude war es auffallend sauber und ruhig. Nur wunderbares Klavierspiel zum schönen Gesang von Kindern konnte man hören. Das hat sich mir besonders eingeprägt und mich dankbarerweise bis heute begleitet. Fünf Stunden Unterricht in wechselnden Klassen waren für mich ungewohnt hektisch, da ich von der Tagesschule Dönberg in Wuppertal nur Unterricht in Doppelstunden kannte. 

Sie haben den Wandel der Liebfrauenschule von einer von Nonnen geführten Schule zu einer Schule mit „normalen“ Lehrern live miterlebt. Hand auf´s Herz! Trauern Sie der althergebrachten Ordnung einer Ordensschule hinterher?

Ich habe 1980 mein Berufsleben an einer Ordensschule der „Armen Schulschwestern“ in Wuppertal Dönberg begonnen. Dort habe ich schon einmal miterlebt, dass die Ordensschwestern ihre Schule mangels Nachwuchs und finanzieller Mittel in die Trägerschaft des Erzbistums Köln abgeben mussten. Ordensschulen zeichneten sich immer durch eine besondere Ordnung und Atmosphäre aus, denn die Schule war das Zuhause der Schwestern. Ordnung ist in einer Schule notwendig, kann aber auch ohne Ordensschwestern gelingen. Es benötigt dafür aber eine enorme Kraftanstrengung.
Bedauern würde ich es, wenn der besondere Geist, den die Ordensschwestern hinterlassen haben, an der Schule verloren ginge. Deshalb ist es wichtig, sich immer wieder daran zu erinnern, dass die Schule von den Schwestern „Unserer Lieben Frau“ gegründet wurde.

Teilen Sie den allgemeinen Eindruck, dass die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler von heute gegenüber früheren Jahrgängen nachgelassen haben? Gibt es wirklich eine Inflation von guten Noten im deutschen Bildungssystem?

Die Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler haben sich stark verändert und neue sind hinzugekommen. Dass die Kompetenzen generell nachgelassen haben, kann ich nicht bestätigen. Im Regelfall werden Kompetenzen und gute Noten an der Liebfrauenschule mit viel Fleiß und Übung erarbeitet. Wir freuen uns darüber, dass viele unserer Schülerinnen und Schüler nach ihrem Abschluss erfolgreich eine weiterführende Schule besuchen.

Welches persönliche Erlebnis hat Sie im Schuldienst in Ihrer pädagogischen Entwicklung am meisten geprägt?

Der Beruf der Eltern darf nicht über den Bildungserfolg der Kinder entscheiden. Pädagogik ist immer mit Vorbild und Liebe zu den Kindern verbunden.

Was würden Sie am deutschen Schulsystem ändern, wenn Sie Bundesbildungsminister wären?

Ich wünsche mir mehr Kontinuität und Nachhaltigkeit in der Schulpolitik. Die Ausrichtung auf eine breit angelegte Allgemeinbildung in allen Fächern halte ich für besser, als eine frühe Spezialisierung auf Neigungsfächer oder Leistungskurse. Talentförderung bedeutet auch, die sogenannten Nebenfächer verstärkt in den Blick zu nehmen. Empathie und gutes soziales Miteinander dürfen nicht im Leistungsgedanken untergehen und sind Voraussetzung dafür, dass kein Kind zurückbleibt. Wir brauchen nicht noch mehr Bürokratie, sondern kleinere Klassen, Förderlehrer, Sozialpädagogen und gut ausgestattete Lehrerarbeitsplätze.

Sie haben an einer erzbischöflichen Schule die beiden Fächer Biologie und Religion unterrichtet. Wo liegen für Sie ganz persönlich die Schnittstellen zwischen der biblischen Schöpfungsgeschichte und der Evolutionstheorie?

Die Schöpfungserzählungen sind keine Erklärungen oder Berichte, wie das Leben entstanden ist. Sie sind das Glaubensbekenntnis der biblischen Schriftsteller, dass Gott der Ursprung allen Lebens ist. So dürfen wir als gläubige Christen in der Hoffnung leben, dass alles Leben auf der Erde von Gott gewollt ist. Wie die Evolution und die Genetik funktionieren, erklären uns die Naturwissenschaften. Hier gibt es also nur scheinbar einen Gegensatz zwischen Wissenschaft und Religion. Der Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal sagt treffend. „Das Herz verfügt über Beweise, die der Verstand nicht kennt!“

Welches ist Ihre Lieblingsstelle in der Bibel? Warum?

Es gibt zwei Bibelstellen, die für mich besonders wichtig sind. Da ist einerseits die Stelle aus dem Evangelium des Matthäus „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ und andererseits die Stelle aus dem Evangelium des Markus „Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in die Arme und sagte … …“
Jesus hebt die Kinder hervor, weil sie geachtet und beachtet werden müssen, damit sie nicht übersehen werden. Darum geht es in der Gemeinschaft einer Schule.

Sie haben bereits vor Jahren begonnen, muslimische Flüchtlingskinder in den Alltag einer christlich orientierten Schule zu integrieren. Wie stehen Sie zur Notwendigkeit eines interkulturellen Dialogs der Religionen?

Alle Menschen suchen in ihrer Religion einen Halt für ihr Leben. Damit das friedliche Miteinander gelingen kann, müssen die Religionen miteinander ins Gespräch kommen. Gerade in den Schulen können wir den Dialog fördern, frühzeitig das Verständnis füreinander wecken und falsche Vorstellungen vom Glauben des anderen korrigieren. Es wäre wünschenswert, wenn das zu einem Friedensprogramm in den Familien führen würde.  

Was war Ihr persönliches Highlight während der Romfahrt? Warum hat die Liebfrauenschule nachhaltig von dieser Pilgerfahrt profitiert?

Da kann ich gar keinen einzelnen Punkt hervorheben. Mein persönliches Highlight sehe ich in der Gemeinschaft der ganzen Schulgemeinschaft, die in Rom überall spürbar wurde. Die Begeisterung der Schülerinnen und Schüler bei den Ausflügen, die Lebensfreude in der Bungalowanlage und die Andacht bei den Gottesdiensten haben mich emotional sehr berührt. Die Schulgemeinschaft ist enger zusammengewachsen, weil jeder auf den anderen geachtet hat.

Hat das Bi- edukative Konzept der Geschlechtertrennung von reinen Jungen- und Mädchen-Klassen an der LFS Ratingen eine Zukunft?

Ich habe 16 Jahre in Wuppertal koedukativ und 18 Jahre in Ratingen nur mit Mädchen gearbeitet. Seit 2014 unterrichten wir an der Liebfrauenschule nun Jungen und Mädchen in getrennten Klassen. Mit der Aufnahme der Jungen haben wir auch indirekt den Blick für die Mädchenförderung geschärft. Mädchen und Jungen zeitweise zu trennen bietet den Vorteil, sie mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen besser fördern zu können. Gleichzeitig wird das Schulleben durch die gemeinsamen Aktivitäten außerhalb des Unterrichts bereichert. Ich bin nicht dafür, dass Konzept vorschnell in Frage zu stellen. Schulentwicklung braucht einen langen Atem und Schüler, Eltern und Lehrer ein hohes Maß an Verlässlichkeit. Die hohen Anmeldezahlen belegen die Akzeptanz der Bi-Edukation.

Das Bistum Köln nimmt im Zuge der aktuell laufenden Renovierung der LFS Ratingen 9,2 Millionen Euro in die Hand. Auf welche konkreten Vorteile und Innovationen können sich alle Beteiligten nach Abschluss der Baumaßnahmen freuen?

Die aktuelle Baumaßnahme erstreckt sich auf die notwendige Sanierung des Daches, den Ausbau des Dachgeschosses und die zweite Etage des Hauptgebäudes.
Im Dachgeschoss kann sich die Schulgemeinschaft auf eine neugestaltete kindgerechte Kapelle freuen. Außerdem werden dort der Musik- und Informatikbereich neu eingerichtet. In der zweiten Etage entstehen neue, moderne und technisch gut ausgestattete Klassenräume.


Worauf freuen Sie sich in den kommenden Wochen und Monaten im Hinblick auf Ihre Freizeitgestaltung am meisten?

Meine Tage waren mit Aufgaben und Terminen prall gefüllt. Ich freue mich nun besonders darauf, den Menschen mehr Aufmerksamkeit schenken zu können, die mir sehr am Herzen liegen. Dass ich jetzt in aller Ruhe, mit Sorgfalt und ohne Hetze die Dinge des Alltags erledigen und meine Hobbys pflegen kann, ist ein Stück Himmel auf Erden.

Wir danken Ihnen für das Gespräch!