Presse 2019/20

Ratinger Arbeiten : Schüler gestalten Kunst in Corona-Zeiten

Rheinische Post 12.Mai.2010

(RP) Bringt man die divergierenden Bezugspunkte Kinder, Christen und Corona in einen thematischen Zusammenhang, entfaltet sich ein schillernder Spannungsbogen, der die böse Fratze der Corona-Krise als weltweit akutes Bedrohungsszenario aufzeigt.

 

So geschehen in der Ratinger Liebfrauenschule, wo Kunstlehrer André Schürmann die Schülern aus den Jahrgangsstufen 9 und 10 während der unterrichtsfreien Zeit anregte, sich mit der Corona-Krise, ihren persönlichen Gedanken, Gefühlen, Sorgen sowie mit den gesellschaftlichen Folgen auseinanderzusetzen. Methodisch wurden den Jugendlichen alle Freiheiten gewährt. Es galt das Prinzip der maximalen Kreativität.

Wer die Werke im Zusammenhang sieht, begreift unmittelbar, dass alle Exponate geeint sind vom bedrohlichen Ausdruck einer Welt, die sich in einer lähmenden Schockstarre befindet - einer Welt, die aus den Fugen geraten ist und buchstäblich den Atem anhält:

Eine knallbunte Coronakugel,  plastisch gestaltet, wird umgeben von Botschaften wie. „Ich mache mir Sorgen um die Alten und Schwachen“.  Ein anderes  – geradezu  gespenstisch anmutendes – Bild zeigt anonyme Menschenmassen mit feuerroten Lungen, die freudlos und stumpfsinnig eingesperrt durch enge Gitterstäbe glotzen, während sie ihrem neuen Götzen Klopapier huldigen, das – kultisch erhöht und mit einer goldenen Krone versehen - auf einer Art Thron steht. Ein Werk, das beweist, dass die Corona-Krise als einschneidender befremdlicher Kulturbruch wahrgenommen wird.

Verstörend auch die verfremdete Adaption des berühmten Michelangelo-Motives aus dem Deckenfresko der Sixtinischen Kapelle in Rom. Während im Original dargestellt wird, wie Gottvater mit ausgestrecktem Zeigefinger Adam zum Leben erweckt, hat sich nun ein bösartiger farbiger Virus in den heiligen Schöpfungsakt eingeschlichen. Ein Zerrbild, das zeigt, wie tiefgründig die Zerstörung in das christliche Verständnis einer ursprünglich unberührten Welt eingedrungen ist. Gilt auch zwischen Mensch und Gott: „Halte Abstand!“?

Die vielfältige Gesamtschau der Kunstwerke zeigt wie engagiert die Jugendlichen auf dieses Thema reagiert haben und räumt eindrücklich mit dem Verdacht auf, dass Jugendliche die Corona-Krise als ein ausschließliches Problem älterer Menschen fahrlässig beiseite schieben. “Meine Mutter und ich haben angefangen Gesichtsmasken zu nähen, da kam mir die Idee einen solchen aus Gips umgeben von Viren darzustellen“ schreibt Maja Sonnenschein zu ihrem plastischen Werk.

Im Gegenteil: „Bei allen Werken spürt man ein hohes Maß an persönlicher Reflexion der Ausnahmesituation. Schüler*innen erleben ein globales Bedrohungspotenzial und entwickeln politisches Problembewusstsein. Darüber hinaus schildern sie kreativ individuelle Sorgen und Nöte“, fasst Kunstlehrer André Schürmann den Gesamteindruck der Werkschau zusammen.

Neben aller Verstörung flammen aber auch oftmals Hoffnungen und Visionen von einer verbesserten Welt durch . mehr Solidarität und Hilfsbereitschaft in den Bildern auf. Ein Signal, dass die Welt nach der Bewältigung der Corona-Pandemie eine andere sein wird - aber auch ein hoffnungsvoller Ausdruck von Zutrauen und Zuversicht im Angesicht der Krise.

Ratinger Wochenblatt , 19.9.19

Rheinische Post:  Jede Menge Bienenfleiß an der Liebfrauenschule

Ratingen Perfekt ausgestattet geht die Bienen-AG ab sofort ans Werk. Zwei neue Holzhäuser schaffen Platz – und Ordnung.

von Paul Köhnes                      RP 16.9.2019

Nach vier Jahren Arbeitszeit von einem Generationenprojekt zu sprechen – geht das überhaupt? An der Liebfrauenschule kein Problem. Denn dort haben sich seit Beginn des Interesses an Bienen zwei Schulleiter nacheinander, ein Vater zweier ehemaliger Schülerinnen, zwei neue Lehrerinnen und natürlich zahlreiche Schüler an einem Stück Arbeit beteiligt, das mit „Bienen-Arbeitsgemeinschaft“ eigentlich unzulänglich beschrieben ist.
Die beiden Lehrerinnen Lisa Sörgel und Carla Mentzen betreuen die Bienen AG und sehen es ganz nüchtern: „Der Betrieb weitet sich aus.“ Für sie selbst war dieser Betrieb allerdings alles andere als eine Stegreif-Aktion. Voran ging ein einjähriger Weiterbildungskursus im Duisburger Bienenmuseum – Theorie und Praxis. Jetzt sind beide Jung-Imkerinnen. Mit guten Kontakten zu Ratinger Imkern. Daheim an der Schwarzbachstraße waren zwischendurch logistische Probleme schwer zu lösen. „Unser ganzes Material, Schutzanzüge und Kisten inklusive, waren im Keller gelagert. Nach einem Wasserschaden dort ging das so nicht mehr weiter. Abgesehen davon, dass die Schlepperei zeitaufwendig war“, erinnert sich Sörgel.
An dieser Stelle kam vor etwa einem Jahr Felix von Platen ins Spiel. Der kennt zum einen die Liebfrauenschule sehr gut, weil seine zwei Töchter Schülerinnen dort waren. Und zum anderen ist er, wie Sörgel verriet, Bauingenieur von Beruf. Gemeinsam mit anderen Eltern machte er sich ans Werk, um zwei Bienenhäuser zu bauen. „Sozusagen als Bauleiter und Vorarbeiter.“ Holzbauten, die Ende vergangener Woche feierlich eröffnet, getauft und mit den zugehörigen Namensschildern versehen wurden. Die „Villa Felix“ ist dem tatkräftigen Ingenieur zugeeignet, die „Villa Peter“ dem inzwischen pensionierten Schulleiter Peter Bärens. Zu Hilfe kam der Schule für das Vorhaben auch die Firma Franken Holz und die Sparkasse, wie Schulleiter Christoph Jakubowski nicht zu erwähnen vergaß.
Bärens war es auch, der bei der feierlichen Eröffnung der beiden Villen an den Beginn des Bienenprojekts an der Schwarzbachstraße erinnerte: „Das kam ins Rollen, als eine Studentin bei mir anfragte, ob sie im Rahmen einer Masterarbeit zwei Bienenvölker auf dem Schulgelände ansiedeln dürfe.“ Sie durfte. „Und danach haben wir die Völker nicht mehr abgegeben.“
Organisatorisch ist die Schüler-AG so aufgestellt: 28 Neuntklässler machen sich im 14-tägigen Wechsel in zwei Gruppen je vier Stunden ans Werk. „Das bringt Spaß und man konnte auch sehen, wie die Arbeit immer weiter voranging“, kommentierten Louis, Jacob, Pasquale und Frederik. Und übrigens: „Auch im Winter ist gut zu tun.“

Die Lehrerinnen Carla Mentzen und Lisa Sörgel mit dem Erbauer der Häuser, Felix von Platen und dem ehemaligem Schulleiter Peter Bärens. Foto: Blazy, Achim (abz)